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Für Sport ist es nie zu spät: Mit 82 auf Medaillenjagd

Geschrieben von Flensburger Tageblat.

Das Flensburger Tageblatt berichtete am 17 Juli 2012:

Seit 1948 noch keinen Wettkampf abgebrochen: Günter Liebel in seinem nassen Element. Foto: Dewanger

Günter Liebel aus Satrup sammelt auch mit über 80 Jahren noch Medaillen im Schwimmen und Laufen - bei jedem Wetter.

Satrup. "Nach 400 Metern könnte der Körper gut aufhören, doch dafür ist mein Kopf zu stur", sagt Günter Liebel. Gemeint sind die 500 Meter, die der 82-Jährige auch bei Regen und Sturm täglich zwei Mal im Freibad in Satrup (Kreis Schleswig-Flensburg) im Wechsel von Kraulen und Brustschwimmen zurück legt. Wie oft Günter Liebel den inneren Schweinehund für sportliche Leistungen überwunden hat, ist nicht mehr zählbar. Seit 64 Jahren steht der gebürtige Flensburger jedes Jahr bei diversen nationalen und internationalen Meisterschaften auf dem Startblock. Er ist der älteste Wettkampf aktive Schwimmer und Läufer Schleswig-Holsteins.

"Seit 1948 habe ich noch keinen Wettkampf abgebrochen, ich bin schon ein wenig verrückt", sagt der fitte, gebräunte Senior mit dichtem weißem Haar und strahlend blauen Augen. Sein Haus in Satrup ist tapeziert mit Urkunden, die Regale prall gefüllt mit Pokalen und Auszeichnungen, darunter sogar Medaillen von Europa- und Weltmeisterschaften im Schwimmen, bei denen Liebel als Staffelschwimmer erfolgreich war. Schon der Rückblick auf das bisherige Sportjahr 2012 des ehemaligen Lehrers für Mathe, Physik und Schwimmen lässt die meisten 20-Jährigen blass aussehen. Wenige Stunden vor Beginn des neuen Jahres war Liebel beim Silvesterlauf in Oeversee am Start, mit den Oldies des Flensburger Schwimmklubs (FSK), mit denen Liebel schon etliche Medaillen abgeräumt hat, ging er Anfang Mai als ältester Teilnehmer bei den Landesmeisterschaften in Mölln in gleich drei Disziplinen (Rücken, Brust und Freistil) ins Wasser. Nur eine Woche später absolvierte er ebenfalls als ältester Athlet den Helgoland-Marathon.

"Durch den Sport habe ich die Welt kennen gelernt", sagt der Vater von drei Kindern. Mehrfach war unter anderem bei den Marathons in New York, Honolulu, Boston, Berlin und Hamburg am Start. Auch nach Athen und Dubai hat ihn seine Leidenschaft fürs Laufen geführt, die erst spät entfachte. "Eigentlich bin ich dafür zu schwer", sagt Liebel. 1984, kurz nach seiner Scheidung, las er im Flensburger Tageblatt: Wenn Sie nicht wissen, was sie am Wochenende machen sollen, kommen sie zum Flensburger Lauftreff." Liebel wusste nicht, was er am Wochenende machen sollte und ging hin, drei Jahre später, mit knapp 60 lief er seinen ersten Marathon, mit 61 erzielte mit 4 Stunden und 4 Minuten in New York seine Bestzeit.

Das Tempo ist heute nicht mehr entscheidend. "Wichtig ist, in Bewegung zu kommen und zu bleiben - in jedem Alter", sagt der Mann, dessen Leben vom Sport geprägt wurde. Sein Einstiegsalter ins Laufen zeigt, dass es nie zu spät ist, etwas für sich und seine Gesundheit zu tun.

Ins Wasser ist Liebel schon viel früher gekommen, drei Tage nach der Währungsreform im Juni 1948. Zunächst in die Schwimmabteilung des Flensburger Turnerbunds (FTB), danach ging er für den Polizeisportverein (PSV), ab 1950 für den Flensburger Schwimm-Klub FSK auf Medaillenfang. "Ich war schon als Kind eine Wasserratte, doch damals gab es nicht oft die Gelegenheit, in die Ostsee zu kommen", erinnert sich Liebel. Nur einmal bis zum Abi im Jahr 1949 gab es mit der Schule einen Ausflug in die Förde. Doch die schwimmbegeisterten Eltern sorgten für viele Küstenbesuche, sogar auf Helgoland.

Ein 85-Kilometer-Lauf über mehrere Tage durchs Watt und über verschiedene nordfriesische Inseln - auch solchen Herausforderungen hat Liebel gemeistert. Eigentlich will er kürzer treten, kündigt seit Jahren sein Karriereende an. Auch für dieses Jahr. "Doch dann kommen immer wieder so nette Anfragen, wie nun zum Südensee-Schwimmen in Sörup", schmunzelt Liebel - und dann kann er eben nicht Nein sagen. Gesundheitlich besteht kein Grund für den Abschied vom Wettkampfsport. "Doch ich müsste mich endlich mal um Haus und Grund sowie verschiedene Sammlungen kümmern", sagt Liebel. Doch wer morgen Vormittag ins Satruper Freibad geht, wird den 82-Jährigen dort ganz sicher wieder seine Bahnen ziehen sehen - bei jedem Wetter.

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